Montag, 20. November 2017

Paula*


Sie sitzt in der Fußgängerzone zwischen dem Drogeriemarkt und dem Buchladen.Unscheinbar, zusammengekauert lehnt sie an der Hauswand. Sie hat eine Decke über ihre Beine gelegt, gegen die Kälte. Sie fragt mich ob ich etwas Geld habe, aber ich gehe vorbei, wie so viele. „Auf Wiedersehen“ murmelt sie mir nach. Nach ein paar Schritten bleibe ich stehen und tue etwas, was ich noch nie getan habe: ich hole meinen Geldbeutel und krame einen Euro heraus, dann drehe ich mich um und drücke ihn der jungen Frau in die Hand. Und, ehrlich ich weiß nicht was über mich gekommen ist, ich frage: „Kann ich sonst noch was für sie tun?“. Ein überraschter Blick trifft den meinen, klare Augen sehen mich unsicher an, während sie zögernd den Kopf schüttelt.

„Ein Brötchen?“ - „Brötchen wäre toll..“ - „Vielleicht einen Kaffee?“ (ich übertreffe mich selbst) - „ich will ja keine Ansprüche stellen,“ erwidert sie leise.

Ich gehe zur nächsten Bäckerei, kaufe eine Brezel, ein Schokocroissant und einen Kaffee (sogar in groß). Das bringe ich zurück, und noch während ich unterwegs bin formt sich in mir eine Frage: „Warum sitzt sie in der Kälte hier draußen.“

Genau diese Frage stelle ich ihr, als ich wieder bei ihr angelangt bin. Sie ist über den Kaffee und die Brötchen so dankbar, ihre Augen leuchten. Ich frage sie nach ihrem Namen: „Hexe“ sagt sie und ich wundere mich. „Hexe?“. Ja den Namen habe sie seit sie 17 ist. Jetzt sitzt sie hier weil es eine schwere Zeit ist, aber sie will nicht sagen warum. Das ist okay. Ich frage ob ich für sie beten darf (die Worte von Dominik Pfeifer sind mir noch im Ohr). Sie sieht mich groß an und dann nickt sie, ich will schon anfangen, da sagt sie: „Paula, ich heiße Paula...“ Als würde sie merken, dass der Name Hexe nicht so recht in ein Gebet passt. Und dann das Erstaunliche. Sie kennt Christen, sie geht fast jeden Sonntag in das christliche Zentrum. Zum Abschied drückt sie mich und ich gebe ihr beide Hände. „Vielleicht sehen wir uns wieder!“ ruft sie mir hinterher und ich antworte: „Das würde mich freuen!“
*Name geändert
Claudia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen